Glossar · Prozesse und Betrieb

Process Mining: Definition, Nutzen und Vorgehen

Definition

Process Mining rekonstruiert den tatsächlichen Ablauf eines Prozesses aus den Ereignisdaten der beteiligten Systeme. Aus Log-Einträgen mit Vorgang, Zeitstempel und Aktivität entsteht ein Modell, das zeigt, wie ein Prozess wirklich läuft, nicht wie er im Handbuch beschrieben ist. So werden Schleifen, Umwege, Wartezeiten und Ausnahmen sichtbar. Der Wert liegt in Fakten statt Annahmen über den eigenen Betrieb.

Warum der Begriff zählt

Bevor man einen Prozess automatisiert, sollte man wissen, wie er wirklich abläuft. Interviews und Flussdiagramme zeigen oft nur die geglaubte Version. Process Mining liefert die gemessene Version und macht Engpässe sichtbar, an denen sich Automatisierung lohnt. Für dich heißt das: gezielt statt pauschal. Aus den Befunden lässt sich in Tagen ein klar geschnittener Use-Case ableiten, der zuerst als Prototyp getestet und dann gebaut wird.

Wann es relevant ist

  • Ein Prozess läuft durch mehrere Systeme und niemand kennt den echten End-to-End-Ablauf.
  • Durchlaufzeiten schwanken stark und die Ursache ist unklar.
  • Vor einer Automatisierung soll der beste Ansatzpunkt objektiv bestimmt werden.
  • Compliance verlangt einen Nachweis, wo Abläufe von der Vorgabe abweichen.

Wann nicht

Wenn ein Prozess klein, stabil und ohnehin transparent ist, liefert Process Mining wenig Neues und die Datenaufbereitung lohnt sich nicht. Und wenn die Systeme keine brauchbaren Ereignisdaten mit Zeitstempel und Fall-ID protokollieren, fehlt die Grundlage. Dann ist ein kurzer Klärungs-Workshop der ehrlichere erste Schritt.

Branchen, die das nutzen

  • Banken und Finanzdienstleister: Kredit- und Onboarding-Prozesse messen und Engpässe belegen, bevor in Automatisierung investiert wird.
  • Fertigung: Auftragsdurchlauf und Nacharbeit aus MES- und ERP-Daten sichtbar machen und den Ansatzpunkt priorisieren.
  • Telekommunikation: Order-to-Activation über viele Systeme rekonstruieren und Wartepunkte als Festpaket adressieren.
  • Energieversorgung: Störungs- und Abrechnungsprozesse auf Abweichungen prüfen und mit einem klaren Deliverable verbessern.

Typische Anwendungsfälle

  • Den echten Order-to-Cash-Ablauf rekonstruieren und Engpässe lokalisieren.
  • Wartezeiten und Rückschleifen in Genehmigungsprozessen aufdecken.
  • Abweichungen vom Soll-Prozess für Audit und Compliance nachweisen.
  • Den besten Kandidaten für eine KI-Automatisierung datenbasiert auswählen.
  • Wirkung einer Prozessänderung vorher und nachher messen.
  • Übergaben zwischen Abteilungen als Verlustpunkte identifizieren.

Entscheidungshilfe

Entscheidungshilfe
SignalProcess Mining passtAlternative
Echter Ablauf über viele Systeme unklarRekonstruktion aus EreignisdatenProzess-Interviews bei einfachem Ablauf
Ansatzpunkt für Automatisierung gesuchtdatenbasierte PriorisierungBauchgefühl bei klarer Engstelle
Systeme protokollieren keine Event-Logseher nichterst Logging und Baseline schaffen
Nur ein kleiner, stabiler Prozesszu viel Aufwanddirekte Automatisierung testen

Beispiel

Ein Finanzdienstleister vermutet Verzögerungen im Kreditprozess, kennt aber die Ursache nicht. Im Workshop werden die Ereignisdaten aus zwei Systemen zusammengeführt und der tatsächliche Ablauf rekonstruiert. Sichtbar wird eine wiederkehrende Rückschleife an einer Freigabe. Aus diesem Befund entsteht ein eng geschnittener Automatisierungs-Prototyp. Das Beispiel beschreibt die Vorgehensweise, keine behauptete Kundenkennzahl.

Verbindung zu Services

Der passende Einstieg ist meist der KI-Workshop, danach KI-Automatisierung und KI-Beratung.

Quellen

Diese Einordnung beschreibt gängige Praxis der datenbasierten Prozessanalyse. Aussagekraft und Aufwand hängen von der Qualität der Ereignisdaten und den beteiligten Systemen ab und sollten dort geprüft werden.

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Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet Process Mining von einem Workshop mit Interviews?
Ein Interview zeigt, wie Beteiligte den Prozess erleben. Process Mining zeigt, wie er laut Systemdaten wirklich abläuft. Beides ergänzt sich, aber die gemessene Version deckt Umwege auf, die im Gespräch untergehen.
Welche Daten brauche ich dafür?
Ereignisdaten mit drei Kernangaben: eine Fall-ID, eine Aktivität und ein Zeitstempel. Diese stecken meist in ERP-, CRM- oder Ticketsystemen. Fehlen sie, schaffen wir zuerst eine saubere Baseline, bevor gemessen wird.
Führt Process Mining direkt zu einer Lösung?
Nein, es liefert den Befund. Der Nutzen entsteht, wenn daraus ein klar geschnittener Use-Case wird, den wir als Prototyp testen und danach in echte Software überführen.